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8. April 2021

“Ehrliche und stabile Kontakte”

bindereport-Interview mit Kay H. Neumann und Florian Walta zum 75-Jährigen der Gebr. Schabert GmbH & Co. KG (Strullendorf)

bindereport: Wie hat sich das Geschäft in der Corona-Pandemie entwickelt, haben Sie bestimmte Einschränkungen verkraften müssen?
Florian Walta: Natürlich hatten wir auch unter einem heftigen Einbruch im Frühjahr 2020 zu leiden und uns fehlen besonders die persönlichen Kontakte zu unseren Kunden: ein Jahr ohne Kundenbesuche von vier Außendienstmitarbeitern sind ein fachlicher und menschlicher Verlust. Durch die Einführung neuer Produkte sowie die langjährigen Vor-Ort-Betreuungen konnten wir dennoch recht ordentlich wirtschaften. Als die Buchhandlungen geschlossen wurden reagierten auch die Verlage zögerlicher, Titel wurden zurückgestellt oder eingefroren. Aber die Menschen lesen weiterhin. Bücher sind ein Kulturgut und als „Grundnahrungsmittel“ für den Geist nicht wegzudenken.

bindereport: Welche waren die größten Ereignisse und Herausforderungen für Ihr Unternehmen in den vergangenen Jahren?
Kay H. Neumann: Vor 10 Jahren haben wir die Produktion unserer Papierserie f.color neu aufgestellt. Wir wechselten zu Gmund Papier und für uns stellte dieser Wechsel nach 40 Jahren Partnerschaft zu einem anderen Unternehmen eine enorme Herausforderung dar. Aber wir haben diesen Schritt nie bereut, im Gegenteil: unsere Partnerschaft mit Gmund öffnete uns neue Optionen.
Florian Walta: Eine weitere große Herausforderung stellt auch das Thema Nachhaltigkeit dar. Hier konnten wir in den letzten 10 Jahren wichtige Schritte vollziehen. Wir sind regionaler, umweltfreundlicher und digitaler geworden, bei konstant hoher Lieferfähigkeit und Qualität unserer Produkte.
Darüber hinaus hat eine großzügige Lagerbevorratung und die stetige Verbesserung der Kunden- und Lieferantenpartnerschaften seit jeher Priorität und fordert uns täglich.

bindereport: Worin würden Sie die eigentlichen „Geheimnisse“ des Erfolgs, der Geschäftsstabilität und der Kundenbindung sehen?
KN: Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass es die persönlichen Kontakte sind, die unser Geschäft stabil halten. Wir kennen unsere Kunden persönlich und schätzen diese als Menschen. Es kommt bei Schabert nicht primär auf die Gewinnmaximierung an, sondern auf langjährige und vor allem ehrliche Kontakte. Gerade im Mittelstand sind Beziehungen über mehrere Generationen keine Seltenheit und so begleitet uns mancher Kunde von Anfang an. Kurze Lieferwege und Lieferzeiten sowie die tägliche Flexibilität, auf individuelle Anforderungen zu reagieren und Kundenwünsche erfüllen zu können, zahlen sich hier ebenso aus.
Auch die Konstanz in unseren Lieferantenbeziehungen erachten wir als sehr wichtig. Wer seine Partner gut kennt und in gutem Verhältnis steht, kann sich auch in Krisenzeiten auf diese verlassen.

bindereport: Werden Sie öfters bei der Gestaltung von Printprodukten einbezogen oder eher als ein Lieferant am Ende der Wertschöpfungskette gesehen?
FW: Die Entscheidung über die Ausstattung fällt in den Herstellungsabteilungen. Wenn wir mit Rat und Tat zur Seite stehen können tun wir das gerne. Fragen nach Verarbeitbarkeit und Lieferfähigkeit kommen natürlich ständig vor.

bindereport: Einige wollen immer nur preiswert, andere nur kleine Mengen kaufen: Inwieweit haben sich Ansprüche der Kunden im Laufe der Zeit verändert?
KN: Grundsätzlich haben wir die Devise, dass wir für alle Kunden offen sind. Bei uns kauft der kleine selbständige Buchbinder genauso wie der Großkonzern.
FW: Wir haben beobachtet, dass es in den letzten Jahren immer wichtiger wurde, schnell lieferfähig zu sein. Die Kunden bestellen mit immer weniger Vorlauf, auch kurzfristige Bestellungen und Nachauflagen müssen bedient werden. Wir sind hier traditionell bereits gut aufgestellt gewesen, da wir sowohl in unserer Zentrale eine große Lagerhaltung haben, als auch zusätzlich bei unseren Lieferanten. Durch unser Lager in Strullendorf können wir den Kunden kurze Wege und schnelle Verfügbarkeit garantieren und pandemiebedingte Lieferverzögerungen aus dem Ausland abpuffern.
KN: Bei der Preispolitik setzen wir vor allem auf Verlässlichkeit für unsere Kunden. Als weitere Ansprüche sind die weichen Faktoren wie Nachhaltigkeit mit FSC®, blauer Engel, CO2-Reduktion, Made in Germany/EU, etc. zunehmend wichtiger geworden.

bindereport: Wie viele Produkte umfasst Ihr Warenlager aktuell? Welche Lieferfristen gibt es bei Ware, die bei Ihnen vor Ort vorrätig ist?
FW: Im Moment führen wir ca. 1.500 verschiedene Artikel. Ware vor Ort wird in der Regel noch am Tag der Bestellung versendet und ist dann in 1-3 Tagen beim Kunden.

bindereport: Inwiefern können Sie die Wünsche Ihrer Kunden hinsichtlich individueller Formatgrößen bzw. Konfektionierung erfüllen?
KN: Bereits seit über 20 Jahren haben wir im Betrieb einen eigenen Schneideservice: fünf Rollenschneidemaschinen sowie eine Großformatschneidemaschine ermöglichen eine große Bandbreite an individuellen Formatzuschnitten. Der Kunde kann dadurch Konfektionierungsschritte einsparen und das gelieferte Material direkt weiterverarbeiten.

bindereport: Erstreckt sich Ihre Vertriebstätigkeit heute vorrangig auf die D/A/CH-Region oder teilweise auch darüber hinaus?
FW: D/A/CH ist zwar unser Kernmarkt mit Schwerpunkt Deutschland. Allerdings hat die gesamte EU und v.a. der osteuropäische Raum in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Wir würden uns mittlerweile als europäisches Unternehmen definieren.

bindereport: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie? Gelingt es Ihnen, Berufsnachwuchs zu gewinnen und ans Unternehmen zu binden?
KN: Wir beschäftigen im Moment 16 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Als Familienbetrieb sind wir stolz auf eine geringe Fluktuation und lange Betriebszugehörigkeiten. Unsere letzten beiden Mitarbeiter verließen uns nach 40 Jahren Tätigkeit in den verdienten Ruhestand. Nachfolger sind bereits gefunden und gut eingearbeitet.

(erschienen im bindereport – Fachmagazin für Buchbinderei und Druckverarbeitung, Ausgabe 03.21)

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